Symptome des negativen Selbstkonzepts: eine »heikle« Angelegenheit für Soldat:innen

Autor(en)
Wolfgang Prinz, Gloria Straub, Brigitte Lueger-Schuster
Abstrakt

Hintergrund: Sensitive Items, die als intrusiv erlebt werden, Befürchtungen vor negativen Konsequenzen provozieren oder sich auf sozial unerwünschte Verhaltensaspekte beziehen, können Antworttendenzen bei der Bearbeitung von Selbstbeurteilungsfragebögen evozieren. Besonders militärischen Populationen wird in diesem Zusammenhang häufig ein »underreporting« psychopathologischer Symptome unterstellt. Unklar ist, inwiefern Soldat:innen Symptome der KPTBS als sensitiv erleben.
Methode: 572 Berufssoldat:innen und 768 Grundwehrdiener einer Infanteriebrigade sowie 164 Zivilbedienstete des Österreichischen Bundesheeres beurteilten im Rahmen einer Querschnittserhebung die itemspezifische Sensitivität des »International Trauma Questionnaire« (ITQ) (Cloitre et al., 2018) sowie weitere klinisch-psychologischer Selbstbeurteilungsinstrumente. Mittels Multilevel-Modeling wurden item- und personengruppenspezifische Muster des Sensitivitätserlebens untersucht.
Ergebnisse: In allen Personengruppen wurden Symptome des negativen Selbstkonzepts, in geringerem Maße auch Items zu zwischenmenschlichen Schwierigkeiten als besonders sensitiv erlebt. Neben weiteren Prädiktoren (Alter, Vertrauen in den Datenschutz im Rahmen der Erhebung, Reihenfolge der vorgegebenen Fragebögen) zeigte sich je nach Personengruppe eine differenzielle Nuancierung des Sensitivitätserlebens.
Schlussfolgerung: Aus Perspektive der Sensitivitätsforschung könnten vor allem Symptome des negativen Selbstkonzepts in militärischen Populationen unterschätzt werden. Differentielle Sensitivitätsmuster legen zudem die Notwendigkeit elaborierter militärpsychologischer Forschungsstrategien nahe, die nicht nur spezifische Aspekte des Untersuchungsdesigns, sondern auch die Diversität militärischer Populationen angemessen berücksichtigen.

Organisation(en)
Institut für Klinische und Gesundheitspsychologie
Journal
Trauma und Gewalt
ISSN
1863-7167
Publikationsdatum
2024
Peer-reviewed
Ja
ÖFOS 2012
501010 Klinische Psychologie
Link zum Portal
https://ucrisportal.univie.ac.at/de/publications/f59f2a4f-610b-4000-850b-602d40817f7f